Amalgam-Informationen

Korruption in der Medizin

Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain (1835 - 1910)
 

Korruption als Grundlage der Wissenschafts-Fälschung

Spiegel-Online schreibt am 16.5.2006 unter "Bestechliche Medizin - Korruptionsbekämpfer prangern gefälschte Medizin-Studien an" über eine Studie von Transparency International (TI):

Die TI-Experten der Arbeitsgruppe Gesundheit prangern überdies an, dass insbesondere Pharma-Unternehmen direkten Einfluss auf wissenschaftliche Studien und Experten nehmen. Vierzig Prozent der medizinischen Studien aus dem vergangenen Jahr seien nachweislich gefälscht oder durch Sponsoring manipuliert, sagte Peter Schönhöfer, Arbeitsgruppenmitglied und Pharmakologe.

Neuere Version der TI-Studie (6.2008)

Kommentare:

John Ioannidis stellte fest, dass bis zu 90 % der Studien, denen Ärzte hinsichtlich der verordneten Therapien vertrauen, irreführend oder völlig gefälscht sind. Bedenklich ist, dass die Fälschungshäufigkeit in den letzten 10 Jahren massiv zugenommen hat.

  • John Ioannidis:
    Why Most Published Research Findings Are False (8.2005)

    Warum sind die meisten veröffentlichten Forschungsergebnisse falsch?

  • Neal S Young, John P. A Ioannidis, Omar Al-Ubaydli:
    Why Current Publication Practices May Distort Science (10.2008)

    Warum zerstört die aktuelle Publikationspraxis die Wissenschaft? Neue Erkenntnisse werden übertrieben, damit sie publiziert werden; es gibt nur wenige bedeutende Journale; neue Ideen werden vernachlässigt zugunsten eingetretener Pfade; künstliche Verknappung der Veröffentlichungen, um diese besonders hervorzuheben; unsichere Prognose über die künftige Bedeutung einer Erkenntnis; wenn die Veröffentlichung in einem wichtigen Journal gelingt, dann wird das schon zu einem Qualitätsmerkmal.

  • David H. Freedman:
    Lies, Damned Lies, and Medical Science (10.2010)

    Vieles von dem, was Forscher auf dem Gebiet der Medizin veröffentlichen, ist irreführend, übertrieben oder einfach falsch. Also, warum übernehmen Ärzte in erheblichem Ausmaß diese Falschinformation in ihre tägliche Praxis? Der Autor erläutert, dass Dr. John Ioannidis seine Wissenschaftler-Kollegen mit ihren schlechten Ergebnissen konfrontiert.

  • Dr. Mercola: Why Your Doctor's Advice May Be Fatally Flawed (7.2012)

    Bei fast 75% der zurückgezogenen Studien wurde wissenschaftliches Fehlverhalten wie Datenfälschung und -fabrikation, unethisches Verhalten oder Plagiate festgestellt. 32% der zurückgezogenen Studien wurden vom betreffenden Journal gar nicht als zurückgezogen gekennzeichnet.

  • Ferric C. Fang, R. Grant Steen and Arturo Casadevall:
    Misconduct accounts for the majority of retracted scientific publications, auch hier (9.2012)

    Nur ein Fünftel der Zurückziehungen von Studien wurden mit Irrtum begründet. Aber über zwei Drittel wurden mit wissenschaftlichem Fehlverhalten, Betrug, Doppel-Publikation und Plagiat begründet.

  • René Gräber: Gekaufte Medizinstudien ‒ Bis zu 90% sind manipuliert! (2.2016)
  • Jeremy Howick, Despina Koletsi, Nikolaos Pandis, Padhraig S. Fleming, Martin Loef, Harald Walach, Stefan Schmidt, John P.A. Ioannidis:
    The quality of evidence for medical interventions does not improve or worsen: a metaepidemiological study of Cochrane reviews (9.2020)

    Kommentare:

    Nur eine Minderheit von 10% aller medizinischen Behandlungen ist durch qualitativ hochwertige Evidenz belegt. Die Qualität der Evidenz hat sich in aktualisierten Übersichten eher verschlechtert, jedenfalls nicht verbessert.
  • Wer hat die Macht ‒ Politik oder Pharmakonzerne?

    Interview mit Horst Seehofer über die Macht der Pharmalobby
    Der frühere Gesundheitsminister antwortet: die Pharmakonzerne sind stärker als der Staat.

    Wer die Macht hat, muss die Gegenseite nicht mehr bestechen, sondern kann seinen Willen auch so durchsetzen. Die Pharmakonzerne wollen maximalen Gewinn. Die Regierung sollte eigentlich maximale Gesundheit für die Bevölkerung durchsetzen. Dafür fehlt ihr leider die Macht.

  • Robert F. Kennedy Jr., Vorsitzender von Children's Health Defense, war im Jahr 2016 nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA von Trump kontaktiert worden mit der Bitte, eine Regierungs-Kommission für Impfstoffsicherheit zu leiten. Leider kam diese Kommission nicht zustande. Kennedy sagt im Interview:

    Ich stimmte zu, aber sofort danach schrieb Pfizer einen Scheck über 1 Million Dollar an sein Amtseinführungskomitee. Dann ernannte er [Trump] einen Pfizer-Lobbyisten, Alex Azar, zum Gesundheitsminister, und er wählte einen Pfizer-Insider, Scott Gottlieb, zum Leiter der U.S. Food and Drug Administration. Sobald sie dort ankamen, schalteten sie die Impfstoffsicherheitskommission und jede andere Hinterfragung von Impfstoffen ab.

    Ich glaube, eine Menge Leute sagten ihm: 'Du solltest das nicht tun', und [Bill] Gates war einer von ihnen. Aber ich denke, sobald er das Geld von Pfizer nahm und deren Leute einstellte, hatte [die Kommission] keine Chance mehr.

 

Es ist schwierig, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er sein Gehalt dafür bekommt, dass er es nicht versteht.

Upton Sinclair (1878 - 1968)

So wird gefälscht

 
  • Zulassungsstudien der Pharma-Industrie

    Damit ein pharmazeutisches Produkt (Medikament) von den Behörden zugelassen werden kann, muss es umfangreiche Tests durchlaufen. Neue Wirkstoffe müssen vor der Zulassung ein mehrstufiges Zulassungsverfahren mit Wirksamkeitstests durchlaufen. Aus dem Verkauf des Medikaments sollen schließlich Einnahmen erzielt werden, aus denen die hohen Marketingkosten, aber auch der Forschungsaufwand und die Gewinnerwartungen der Unternehmenseigner beglichen werden.

    Die Tests werden in Statistik-Studien beschrieben, die den Zulassungsbehörden vorzulegen sind. Dazu werden Patienten gesucht und in 2 Gruppen aufgeteilt: die Verum-Gruppe erhält den Wirkstoff, die Kontrollgruppe nicht. Eigentlich soll die Zuordnung zu einer der beiden Gruppen zufällig sein. Leider ist es weit verbreitet, dass durch illegale Eingriffe Studienergebnisse verfälscht werden.

    Eine unabhängige Untersuchung von Medikamenten-Zulassungsstudien wird von Pharma-Unternehmen und Zulassungsbehörden verhindert: die entscheidenden Daten bleiben geheim und werden nicht herausgegeben (Geschäftsgeheimnis). Ein legitimer Grund ist nicht erkennbar.

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  • Verflechtungen zwischen Wissenschaftlern und Industrie

    Eine Studie im "British Medical Journal" 1) beschrieb, dass finanzielle Verflechtungen 5) zwischen Wissenschaftlern und der auftraggebenden Industrie bei epidemiologischen Klinikstudien völlig normal sind und generell zu Ergebnissen führen, die positiv für die getesteten Pharma-Produkte sind 3). In einer von der renommierten Zeitschrift Nature 2) veröffentlichten Studie wurde gezeigt, dass jeder dritte Wissenschaftler Studienergebnisse unterschlagen, gefälscht oder uminterpretiert hat, um den Interessen der Auftraggeber (meist pharmazeutische und chemische Industrie) zu genügen. Mit statistischen Tricks werden unbrauchbare Ergebnisse aufgebläht, ungünstige Fakten beiseitegeschoben 4). Es geht aber noch einfacher: die Industrie, z.B. Coca Cola, erteilt dem Forschungsinstitut den Auftrag zur Studie und bestimmt anschließend, welche Ergebnisse bzw. Daten veröffentlicht werden dürfen und was zu verschwinden hat 7).

    Auch bei Studien zu biologischen Wirkungen des Mobilfunks spielt es eine entscheidende Rolle, wer die Studie beauftragt hat. Werden die Studien von der Industrie beauftragt, dann werden zwar Krankheits-Symptome im Zusammenhang mit Elektrosmog gefunden, aber ‒ leider, leider ‒ sind die Ergebnisse nicht signifikant 6).

    1) S Keyhani et al.: Financial ties of principal investigators and randomized controlled trial outcomes: cross sectional study (1.2017)

    2) Martinson BC, Anderson MS, de Vries R.: Scientists behaving badly, Tabelle, als pdf (6.2005).
    Kommentar von Vera Zylka-Menhorn: Forschungsbetrug: Jeder Dritte ist unredlich (2005)

    3) Brustkrebs-Studien: Ohne Industrie-Gelder fallen Arznei-Tests schlechter aus (2.2007)

    4) Die Osterholm-Studie

    • Michael T Osterholm, Nicholas S Kelley, Alfred Sommer, Edward A Belongia:
      Efficacy and effectiveness of influenza vaccines: a systematic review and meta-analysis (1.2012)
      Grippeimpfungen sind wenig oder gar nicht wirksam. Für Personen über 65 fehlt bisher jeder Wirksamkeitsnachweis. Aber für die 18-65-Jährigen ergibt sich eine Wirksamkeit von 59%.
    • Gary G. Kohls: Flu Shots, Fosamax and Pharmaceutical Fakery: The Common Use of Misleading and Deceptive Statistics
      Die meisten Verfasser (über 80%) von Statistik-Studien arbeiten nicht im klinischen Bereich, also an Patienten, sondern sind Angestellte der Pharma-Industrie. Ziel ist es, Pharma-Produkte schnell auf den Markt zu bringen.

      Eine Methode, Sachverhalte zu verfälschen, ist die Anwendung der Relativen Risiko Reduktion (RRR). In der Osterholm-Studie, die Grippe-Impfungen eigentlich kritisch betrachtete, war eine RRR von 60% angegeben worden: durch die Grippeimpfung werde das Infektionsrisiko um rund 60% gesenkt. (Früher war immer eine Risiko-Reduktion von 90% genannt worden.) Aber beide Werte sind völlig daneben. Die tatsächliche Risiko-Reduktion (ARR) lag nur bei 1,2%. Aber damit ließe sich kein Impfstoff verkaufen.

    5) New York Times:
    Top Cancer Researcher Fails to Disclose Corporate Financial Ties in Major Research Journals (9.2018)
    Einer der wichtigsten und bekanntesten Brustkrebs-Forscher, Dr. José Baselga, hat im Rahmen von Veröffentlichungen in Spitzen-Journalen - 'The Lancet' oder 'The New England Journal of Medicine' - seine Einkünfte von Pharma-Konzernen verschwiegen, die unmittelbaren Bezug zu seinen Veröffentlichungen hatten.

    6) Studie zum Zusammenhang zwischen Finanzierung und Ergebnissen von Mobilfunk-Studien

    Anke Huss, Matthias Egger, Kerstin Hug, Karin Huwiler-Müntener and Martin Röösli:
    Source of Funding and Results of Studies of Health Effects of Mobile Phone Use: Systematic Review of Experimental Studies (6.2006)

    Studien, die ausschließlich von der Industrie beauftragt wurden, berichteten zwar die größte Anzahl an Symptomen nach Mobilfunk-Nutzung. Allerdings hatten die Ergebnisse keine statistische Signifikanz: damit ließ sich nichts beweisen.

    7) Vereinbarungen zwischen Coca-Cola und Forschungsinstituten ‒ nur Interessenkonflikt oder Forschungsfälschung?

    Sarah Steele, Gary Ruskin, Martin McKee, David Stuckler:
    Always read the small print: a case study of commercial research funding, disclosure and agreements with Coca-Cola, auch hier: _1_ _2_ (5.2019)

    Kommentar:
    Coca-Cola can 'quash' findings from scientists and walk away with the data: Many universities funded by the firm sign contracts allowing it to terminate studies 'without reason', study finds

    Der Sponsor wissenschaftlicher Studien, z.B. Coca-Cola, kann die gewonnenen Erkenntnisse vernichten und die Daten vereinnahmen. Wird die Studie veröffentlicht, wird er nicht genannt. Die Universitäten und andere staatlich finanzierte Forschungseinrichtungen unterzeichnen Verträge mit der Industrie, die es der Industrie ohne Nennung von Gründen erlauben, Studienergebnisse verschwinden zu lassen.

    Im International Journal of Occupational and Environmental Health wurde 2005 in mehreren Studien beschrieben, wie die Industrie wissenschaftliche Beiträge fälschen lässt.

     

  • Wissenschafts-Magazine: abhängig von der Pharma-Industrie

    Zeitschriften-Verlage erzielen den größten Teil ihrer Einnahmen nicht durch Verkauf ihrer Produkte, der Zeitschriften, an die Leser, sondern durch Werbe-Einnahmen, die Veröffentlichung von Anzeigen. Geworben wird fast nur für Medikamente und Medizinprodukte. Im redaktionellen Teil der Zeitschrift erwarten die Leser ‒ Ärzte und Wissenschaftler ‒ unvoreingenommene, objektive Studien über die Produkte der werbetreibenden Unternehmen bzw. Informationen, die den Markterfolg dieser Produkte ‒ ggf. negativ ‒ beeinflussen. Wer gewinnt in diesem Zielkonflikt, dem die Zeitschriften-Verlage ausgesetzt sind? Wissenschaft oder Kapital?

    • Richard Smith: Medical journals and pharmaceutical companies: uneasy bedfellows (5.2003) Medizinische Zeitschriften und Pharma-Unternehmen: beunruhigende Bettgenossen.
    • Adriane Fugh-Berman, Karen Alladin and Jarva Chow:
      Advertising in Medical Journals: Should Current Practices Change? (6.2006)

      Die Verbindungen zwischen Wissenschafts-Zeitschriften und der US-amerikanischen Pharma-Industrie werden untersucht. Fast alle Anzeigen stammen aus der Pharma-Industrie und bewerben verschreibungspflichtige Medikamente. Die Werbung zielt auf die Ärzte, die die Entscheidung für den Einsatz eines bestimmten Medikaments treffen; für Chirurgen wird auch mit Medizinprodukten geworben. Es ist naheliegend, dass Studien, die die Werbeaussagen konterkarieren, unerwünscht sind.

    • The Medical Journals' Sell-Out ‒ Getting Paid to Play (7.2019)

      Das Portal von Robert F. Kennedy Jr. untersucht die Mechanismen hinter den einseitig selektierten und gefälschten Studien.

      • Werbegelder ermöglichen es den renommierten Journalen, tausende Exemplare kostenlos an Ärzte zu verteilen. Der Inhalt beeinflusst deren Verschreibungsverhalten.
      • Die Zeitschriften akzeptieren auch extrem irreführende, regelwidrige Werbung.
      • Für Werbeaufträge sind die Zeitschriften bereit, die beworbenen Produkte im redaktionellen Teil freundlich zu behandeln.
      • Die Zeitschriften veröffentlichen auch gerne redaktionelle Beiträge, die von der Pharma-Industrie geschrieben bzw. gesponsert sind. Das ergibt einen schönen Extra-Profit.
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  • Wissenschafts-Magazine: Publikations-Bias

    Unter einem Bias versteht man die statistisch verzerrte Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit positiven bzw. signifikanten Ergebnissen: Erwünschte Ergebnisse werden als Studie publiziert, unerwünschte landen im Papierkorb. Genauer untersucht wurde das für neurologischen Studien.

    • The Corruption of Evidence Based Medicine ‒ Killing for Profit (6.2018)
      Das ist die Evidence Based Medicine, das Leitbild der Schulmedizin:
      Wenn in vielen einzelnen Studien Positives veröffentlicht und Negatives unterschlagen wird, dann ergibt die Metastudie: das Positive überwiegt. Studien, die verkaufsfördernd für die Pharma-Industrie sind, werden gerne veröffentlicht, weil sie den Magazinen als Reprints in hohen Auflagen abgekauft werden; die anderen Studien könnten eher zum Verlustgeschäft werden. Hinzu kommen direkte Zahlungen der Pharma-Industrie an die verantwortlichen Chefredakteure. Auch akademische Karrieren hängen von Zahlungen der Pharma-Industrie ab.
    • J.D. Stefaniak, T.C.H. Lam, N.E. Sim, R. Al-Shahi Salman and D.P. Breen:
      Discontinuation and non-publication of neurodegenerative disease trials: a cross-sectional analysis (6.2017)
      Am Beispiel von Interventions-Studien zu neurodegenerativen Erkrankungen wird der Einfluss durch Nicht-Publikation gezeigt. Bei anderen ärztlichen Fachgebieten sieht es ähnlich aus. Dadurch werden die therapeutischen Informationen für die klinische Praxis verfälscht.
    • Helen Fosam:
      Publication Bias in Neurology Research: Why It Matters and Why It Needs to Change (11.2017)
      Durch die Zurückhaltung wissenschaftlich wichtiger Informationen geht nicht nur Wissen verloren, sondern es entsteht ein falscher Eindruck über das, was nachgewiesen ist und was nicht. Im ungünstigen Fall führt das zu überflüssigen Versuchen mit Patienten, Überschätzung von therapeutischen Methoden und letzlich vermeidbaren Todesfällen. Als Beispiel wird die Alzheimer-Forschung genannt.
    • ClinicalTrials
      In dieser US-Datenbank werden seit 2000 weltweit alle privat und öffentlich finanzierten Studien erfasst, damit man sie - bei unerwünschten Ergebnissen - nicht so leicht verschwinden lassen kann. Dennoch wird weiterhin eine erhebliche Anzahl an Studien abgebrochen, verzögert oder gar nicht publiziert.
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  • Wissenschafts-Magazine: vorsätzliche Fälschung

    Richard Horton, Chefredakteur des renommierten medizinischen Wissenschaftsmagazins "The Lancet", kommentiert in einem Bericht über ein Londoner Symposium, das die Zuverlässigkeit biomedizinischer Forschung zum Thema hatte: Etwas läuft grundsätzlich falsch mit einer der größten Schöpfungen des Menschen. ... Ein großer Teil der wissenschaftlichen Literatur, vielleicht die Hälfte, ist einfach unwahr..

    Die Fälscher in der Wissenschaft werden angeleitet und bezahlt von mächtigen Interessengruppen. Wenn ein klarer Stand der Wissenschaft verfälscht werden soll, lautet die wichtigste Aufgabe der Fälscher: Zweifel säen, indem Nebensächlichkeiten in den Vordergrund geschoben werden.

    • Vera Zylka-Menhorn: Forschungsbetrug: Fachjournale in der Kritik (2006)

      Trotz Peer-Review gibt es auch bei renommierten Journalen (Nature, Lancet) Fälle von Fälschung: manche Forschungsergebnisse werden einfach aus dem Hut gezaubert.

    • Süddeutsche Zeitung: Wissenschaft wurde als Nebelwand missbraucht (11.2014)

      Interview mit der Historikerin Naomi Oreskes. Sie hat die Strategien der so genannten Skeptiker analysiert. Ein Gespräch über Lobbyisten und Denkmuster des Kalten Krieges.

    • Süddeutsche Zeitung: Die gekaufte Wissenschaft (2.2018)

      Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Gesundheitsschäden vernebeln, Zweifel sähen ‒ Paralyse durch Analyse oder auf Zeit spielen ist die Methode im Bereich Auto und Verkehr, um weiterhin die gewohnten Gewinne zu erwirtschaften.

    • Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Unser Produkt ist der Zweifel
      aus: Die Machiavellis der Wissenschaft: Das Netzwerk des Leugnens (Erlebnis Wissenschaft)
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  • Wissenschafts-Magazine: Qualitätsmängel

    Selbst renommierten Wissenschaftsjournalen kann man nicht vertrauen: ... wenn man bedenkt, wie stark die Magazine von den Anzeigen der Pharmakonzerne abhängen. Viele von ihnen sind wenig mehr als Vehikel für den Transport der Werbebotschaften. sagt Marcia Angell, ehem. Chefredakteurin beim New England Journal of Medicine und Autorin des Buches Der Pharma-Bluff. Und die Wissenschaftsmagazine machen es den Fälschern leicht: sie veröffentlichen alles, auch von Computern erzeugte Pseudowissenschaft (= Müll); s. auch die Studie The conceptual penis as a social construct. In "Brokers of junk science?" wird gezeigt, wie die Zeitschriften Critical Reviews in Toxicology und Regulatory Toxicology and Pharmacology die systematische Verharmlosung von Giften fördern. Das System der wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist undurchschaubar, fälschungsanfällig und korrupt.

    Zudem macht ein Trend die Unterscheidung von Wahrheit und Fälschung immer schwieriger: das Aufkommen von schein-seriösen Wissenschafts-Verlagen, die ohne Qualitätsprüfung (Peer Review) alles veröffentlichen, was ihnen angeboten wird.

    Es wird deutlich, dass die Wissenschaftler die Orientierung verloren haben und nicht mehr beurteilen können, was gefälscht (fake), sinnlos (junk) oder nur irrelevant ist. Daraus ergeben sich für den Laien 2 Möglichkeiten:
    1. Jeder liest Studien selbst und bildet sich daraufhin sein Urteil. Das entspräche der Aufklärung: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Viele (Pseudo-)Experten lehnen aber die Vorstellung ab, ein medizinischer Laie könne wissenschaftliche Texte verstehen.

      und/oder

    2. Man orientiere sich bei der Beurteilung wissenschaftlicher Erkenntnisse an den Äußerungen der Gesundheitsbehörden und hochrangiger, exponierter Vertreter des Fachgebiets und an Beiträgen, die in der Presse für Laien geschrieben werden.
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  • Fälschung in großem Stil: Zusammenarbeit von Behörden und Industrie

    Korruption gelingt, wenn Umwelt-/Gesundheitsbehörden, Wissenschaftler/Gutachter und Industrie zum Nutzen der Gifthersteller und zum Schaden der Menschen bzw. Patienten zusammenarbeiten. In den USA wurde anhand der Poison Papers (Gift-Papiere) diese Zusammenarbeit deutlich gemacht. Es handelt sich um eine Datenbank mit rund 20.000 Dokumenten, die Behörden und Chemie-Unternehmen herausgeben mussten und die bis in die 1920er Jahre zurückreichen. Sie enthalten wissenschaftliche Studien, interne Memos und Berichte, Sitzungsprotokolle, strategische Diskussionen und eidesstattliche Versicherungen.

    Damit die Gesundheitsbehörden durch diese Zusammenarbeit mit der Industrie zum Schaden der Patienten nicht angreifbar werden, müssen sie für eine sorgfältige Kontrolle des Informationsflusses an die Medien sorgen. Nur Journalisten, die im Sinne der Behörden schreiben und Wohlverhalten zeigen, erhalten ihren wichtigsten Rohstoff ‒ neueste Informationen aus dem Inneren der Gesundheitsbehörde.

    • Susanna Rankin Bohme, John Zorabedian & David S. Egilman:
      Maximizing Profit and Endangering Health: Corporate Strategies to Avoid Litigation and Regulation (2005)

      Konzerne und Industrien verwenden verschiedene Taktiken, um zu verschleiern, dass ihre Produkte gefährlich oder tödlich sind. Ihr Ziel ist es, ein möglichst wenig restriktives regulatorisches Umfeld zu sichern und keine Haftung für Todesfälle oder Verletzungen zu übernehmen, um den Profit zu maximieren. Sie arbeiten mit Anwälten und PR-Fachleuten zusammen und nutzen Wissenschaftler, wissenschaftliche Beiräte, Frontgruppen, Industrieorganisationen, Think Tanks und die Medien, um die wissenschaftliche und öffentliche Meinung über die Risiken ihrer Produkte oder Verfahren zu manipulieren. Diese Strategie, die auf korrupter Wissenschaft beruht, bringt den Konzernen auf Kosten der öffentlichen Gesundheit Vorteile.

    • In Washington Speak, Censorship Is Called Transparency (1.2018)

      Die US-amerikanischen Bundesbehörden haben den Fluss wissenschaftlicher Informationen an die Presse subtil kontrolliert, auch wenn ihre Medienpolitik Offenheit predigt.

    • Charles Piller: Official inaction (10.2020)

      Kommentar im Spiegel: Kritik an Medikamentenstudien ‒ Wissenschaftsmagazine werfen US-Arzneimittelbehörde Nachlässigkeit vor

      Intransparent, politisch beeinflusst: Führende Fachblätter kritisieren die US-Kontrollbehörde FDA für ihre ausgerechnet in der Coronakrise lasche Medikamentenzulassung. Das könnte auch Deutschland betreffen.

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  • Der Glaube an die Statistik

    Der Glaube an die Statistik ist weit verbreitet. Dieser Glaube geht vor allem von der wissenschaftlichen Medizin, d.h. der Schulmedizin aus, hat aber weite Teile von Politik, Medien, Wissenschaft und Bevölkerung erfasst. Auf der Basis des Glaubens lassen sich Ängste erzeugen und weitreichende, eigentlich irrationale Entscheidungen durchsetzen. Es entsteht ein gleitender Übergang in die echte Korruption.

    • Statistik spielt in der Schulmedizin eine alles überragende Rolle.
    • Marktcheck SWR (Die Story im Ersten, ARD):
      Im Land der Lügen: Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren (Video 5.4.2016)

      Ob Bluthochdruck oder Blutzucker – die letzten Jahre wurden die Grenzwerte immer wieder gesenkt. Zur Freude der Pharmaindustrie, die auf diese Weise zu Millionen neuer Patienten kommt. Und der medizinische Nutzen ist längst nicht so eindeutig, wie man suggeriert, basieren die Zahlen doch oft auf fragwürdigen Studien, die interessengesteuert entstanden sind, sagt der weltweit anerkannte Risikoforscher Professor Gerd Gigerenzer. ‚Wir sollten aber nicht nur beklagen, dass man uns mit Zahlen manipuliert. Wir brauchen auch Ärzte, die wissen, wie Grenzwerte entstehen und was sie tatsächlich bedeuten‘, fordert er.

    • ZDF: der Risikoforscher Gerd Gigerenzer zum Coronavirus
      Wir müssen Angst haben vor unserer eigenen Angst (3.2020)

      Wer zählt die Grippetoten im Moment? Niemand. Aber man zählt Verdachtsfälle des neuen Coronavirus.

 

Beispiel 1: Tabakindustrie, Krebs

Die Tabakindustrie hat hochrangige, einflussreiche Wissenschaftler jahrzehntelang bestochen, um das Märchen von Zigaretten aufrechtzuerhalten, die nicht gesundheitsschädlich sind und die nicht süchtig machen. Sogar Schwangeren wurde das Rauchen empfohlen. Auch die Politik wurde gekauft.

Studien und weitere Informationen:

Beispiel 2: Monsanto, genetisch veränderte Organismen, Glyphosat

Roundup mit seinem Wirkstoff Glyphosat 2) ist das weltweit am meisten verkaufte Pflanzengift, produziert vom Agro-Konzern Monsanto 3). Der hat Saatgut, speziell Mais, durch genetische Veränderungen resistent gegen Roundup gemacht und verkauft es mit dem Etikett Roundup-Ready - zwei Produkte, die für den Hersteller sehr erfolgreich sind. Die Fa. Monsanto weiß seit Jahrzehnten, dass ihr Produkt krebserregend ist.

Im Jahr 2012 erregte die Séralini-Studie von einem Forscherteam um den französischen Molekularbiologen Gilles-Éric Séralini großes Aufsehen. Die Langzeit-Studie zeigte, dass Roundup-resistenter Mais und Roundup selbst karzinogen sind und zu Tumoren führen. Nach Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology (FCT) erfolgte ein Trommelfeuer (s. Mails von Monsanto-Mitarbeiter Chassy an FCT-Herausgeber Hayes) scheinbar unabhängiger Wissenschaftler gegen diese Studie, die daraufhin von der Fachzeitschrift zurückgezogen wurde 5). Das wurde weltweit als Nachweis der Unseriosität der Studie und seiner Autoren gesehen. Die Autoren waren dadurch wissenschaftlich diskreditiert. Im Juni 2014 konnte die Studie allerdings erneut publiziert werden.

Nun wurde im Rahmen eines Gerichtsprozesses gegen Monsanto publik, dass Monsanto das Trommelfeuer gegen die Séralini-Studie orchestriert und den FCT-Herausgeber A. Wallace Hayes mit 400 US-$ pro Stunde bezahlt hat; s. Berichte auf gmwatch.org, Huffington Post, U.S.Right to Know, Sustainable Pulse und die Originaldokumente. Übliche Praxis von Monsanto ist die Beeinflussung der allgemeinen Öffentlichkeit mit getarnten Beiträgen: Internet Trolls. Personen, die für Monsanto gefährlich werden können ‒ Buchautoren, Künstler, Journalisten, Abgeordnete und andere Multiplikatoren ‒ sind Ziel besonderer Aktivitäten mit nachrichtendienstlichen Methoden: sie werden korrumpiert, oder, wenn das nicht möglich ist, diffamiert und an den Rand gedrängt 6).

Die Studie von Séralini wurde daraufhin 2014 erneut publiziert; Kommentar.

Ein weiterer Schlag für Monsanto war die Einstufung von Glyphosat als krebserregend durch die IARC. Bevor der IARC-Bericht veröffentlicht wurde, organisierte Monsanto die Herstellung einer Unbedenklichkeits-Studie durch namhafte Wissenschaftler, die zwecks Ergebnis-Optimierung nur noch ihren Namen unter die fertige Studie zu setzen hatten; s. Berichte von CNN, Bloomberg und Reuters. Allerdings ist diese Strategie nicht aufgegangen: Kalifornien hat sich der IARC-Einstufung als krebserregend angeschlossen. Monsanto hat dagegen geklagt, musste Dokumente offenlegen, die die Korruption weiter aufdeckten, und verlor.

Allerdings überredete Monsanto die US-amerikanische Umweltbehörde EPA 4) und deren Gift-Behörde ATSDR, Untersuchungen zur Sicherheit von Glyphosat nicht weiter zu verfolgen. Und die Republikanische Partei der USA droht - unter dem Einfluss von Monsanto - dem IARC einen Finanzierungs-Stopp 1) an.

In Deutschland hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Glyphosat zu bewerten. Da hatte Monsanto leichtes (erkauftes?) Spiel, denn das BfR hat seine Bewertung über viele Seiten aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben, was man auch als Plagiat deuten kann. Das BfR weist diesen Vorwurf zurück. Die IARC-Einstufung als krebserregend wurde ignoriert. Das berichten die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, das Umweltinstitut, das Ärzteblatt, das österreichische Wochenmagazin News und die britische Zeitung The Guardian (2017 und 2019). Die Bewertung des BfR war die Vorlage für die EU-Entscheidung - die Zulassung von Glyphosat wurde Ende 2017 um weitere 5 Jahre verlängert.

2019 stellt sich heraus, dass sich der Agrarökonom Michael Schmitz vom Institut für Agribusiness (bei der Justus-Liebig-Universität Gießen) von Monsanto dafür bezahlen ließ, den angeblich hohen Wert der Glyphosat-Anwendung herauszustellen. Er hatte auch Gelegenheit, Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft entsprechend zu beraten. 7)

Hinzu kommt eine Tatsache, die erst kürzlich offenbar wurde, obwohl Roundup seit vielen Jahren das weltweit meistverkaufte Pflanzengift ist: richtig giftig wird Roundup erst durch bestimmte Zusätze. Welche Zusätze das genau sind, ist Geschäftsgeheimnis und wird den Zulassungsbehörden nicht genannt. Die Zulassung wurde dennoch ausgesprochen bzw. verlängert.

aus einem Interview mit dem Bayer-Cheflobbyisten Matthias Berninger (Spiegel 27/2019)

Im Juni 2018 hat der deutsche Chemie-Konzern die Firma Monsanto übernommen. Das juristische Risiko, die Quittung für die jahrzehntelange Vergiftung der Roundup-Anwender zu bekommen, wurde offenbar unterschätzt. Inzwischen hat Monsanto mehrere Gerichtsverfahren verloren und wurde zu hohen Schadensersatz- und Strafzahlungen verurteilt. Mit weiteren ähnlichen Urteilen ist zu rechnen. Den Bayer-Aktionären gefällt das gar nicht ‒ der Kurs der Bayer Aktie sinkt (s. Grafik). Der Bayer-Konzern ist jetzt weniger wert als vor dem Kauf von Monsanto.

1) Berichte über die Einflussnahme von Monsanto mittels der Republikanischen Partei der USA, der GOP, auf die Finanzierung der IARC:

2) Eine Sammlung von Informationen, Zeitungsmeldungen und Studien zu Glyphosat/Roundup finden Sie auf bbfu.de.

3) Informationen zu den Aktivitäten von Monsanto finden Sie auf MonsantoMafia.com

4) Warum hat die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, im Gegensatz zur internationalen Krebsforschungs-Agentur, Glyphosat akzeptiert?

5) Wie erreichte es Monsanto, dass die Séralini-Studie, eine Roundup-kritische Studie, von 2012 zurückgezogen wurde?

6) Monsanto beeinflusst wichtige Personen: Jounalisten und Medien werden korrumpiert, Buchautoren, Künstler etc. werden diffamiert

7) Monsanto bezahlt heimlich Forscher

 

Betrug wird bestraft

 

aus dem Totentanz (1934) von Hugo Distler:

Der Tod spricht zum Arzt:

Du brachtest manchen in Leibesgefahr,
Arme und Kranke schatztest du schwer,
gabst dein Wissen nicht billig her
und prunktest hoch in Gelehrsamkeit.

Konsequenz der Fälschungen

 

 

Wofür wird gezahlt und wohin fließt das Geld?

  • Pharma-Industrie und Ärzte
    Die Pharma-Industrie bezahlt Ärzte für sinnlose (Geld-)Schein-Studien.
  • In Deutschland ist es jedem Arzt überlassen zu entscheiden, ob die Zahlungen, die er erhalten hat, veröffentlicht werden dürfen. Viele Ärzte wollen das nicht. In den USA gibt es seit Präsident Obama eine entsprechende gesetzliche Verpflichtung.

    Das Geld wird als Honorar für die Durchführung von (nutzlosen?) klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen (AWBs), als Vortragshonorar und für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen gezahlt. Mit weiteren 101 Millionen € (2016) sponserte die Industrie Veranstaltungen und Institutionen.

    Hinzu kommen die Zahlungen der kleinen und mittleren Unternehmen, die im Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) zusammengeschlossen sind, der Generika- und der Homöopathie-Unternehmen.

    Die Pharma-Industrie hat erkannt, dass die Diskussion über Korruption dem Ruf der Branche abträglich ist. Mit dem Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V. (FSA) soll dem entgegen gewirkt werden.

  • Pharma-Konzerne bezahlen willige Politiker und Ärzte
    • USA: Epidemie durch Schmerzmittel-Missbrauch

      Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente, die sich an Endverbraucher richtet, ist weltweit – abgesehen von USA und Neuseeland – verboten. Denn verschreibungspflichtige Medikamente können - mehr noch als nicht verschreibungspflichtige Medikamente - Schäden verursachen, Sucht auslösen etc. Sie sind auch aus vielen anderen Gründen nicht vergleichbar mit anderen Produkten, für die geworben werden darf.

      Die Marketingkampagne für Opioide in USA hat zum Tod Hunderttausender Menschen geführt. Im Zentrum des Interesses stehen der Pharma-Hersteller Purdue und sein Produkt OxyContin, der Purdue-Eigentümer, die Familie Sackler, und das Marketing-Unternehmen Publicis.

      • Manchikanti L, Helm S, Fellows B, Janata JW, Pampati V, Grider JS, Boswell MV:
        Opioid epidemic in the United States. (5.2012)

        In diesem umfassenden Überblick werden verschiedene Aspekte der Krise des Opioidkonsums in den USA beschrieben. Problematisch sind unangemessene Verschreibungsmuster, die weitgehend auf mangelndem Wissen, der angeblichen Sicherheit der Opiate und dem unzutreffenden Glauben an eine Unterbehandlung von Schmerzen beruhen.

      • The Guardian: How big pharma's money ‒ and its politicians ‒ feed the US opioid crisis (10.2017)

        Pharma-Geld durchströmt die Adern und Venen der amerikanischen Politik und trägt damit direkt zur Opiate-Epidemie bei, die tausende Amerikaner jedes Jahr tötet. Viele Pillen werden über den Schwarzmarkt gehandelt.

      • Waking Times:
        Harvard Investigation Shows Doctors are Paid Huge Sums to Prescribe Addictive Opioids (3.2018)
        Ärzte, die suchtfördernde Opiate verschreiben, werden mit riesigen Summen bestochen.
      • Dr. Mercola's Attackers Sued for Role in 'Crime of the Century' (17.5.2021)

        Allein zwischen September 2019 und September 2020 starben 87.000 Amerikaner an einer Opioid-Überdosis - ein neues Rekordhoch. Verschiedene Gerichtsverfahren haben gezeigt, wie Purdue Pharma, der Hersteller von OxyContin (Handelsname: Oxycodon), die Ärzte systematisch über das Suchtpotenzial des Medikaments getäuscht hat, um den Verkauf anzukurbeln, was zu einer Lawine von Opioidabhängigkeit und nachfolgenden Todesfällen führte.

        Der Generalstaatsanwalt von Massachusetts verklagt nun die PR-Firma von Purdue, Publicis Health, wegen ihrer Rolle bei der Erstellung des irreführenden Marketings von Purdue. Publicis wird vorgeworfen, illegale Werbung für OxyContin in den elektronischen Krankenakten von Patienten platziert und Schulungsmaterial für Purdue-Vertriebsmitarbeiter erstellt zu haben, damit diese lernen, wie man die Einwände von Ärzten gegen die Medikamente widerlegen kann. Publicis entwickelte auch Strategien, um den Opioid-Richtlinien der CDC entgegenzuwirken, und erstellte Patientengeschichten, um die Marke OxyContin zu vermenschlichen und der negativen Presse über Suchtrisiken entgegenzuwirken.

        Hinweis: Publicis Health ist auch im Corona-Pandemie-Marketing tätig und unterstützt die sogenannten Fact Checker wie Newsguard mit dem Ziel, impfkritische Informationen als Hassrede abzuqualifizieren. Siehe dazu eine Twitter-Nachricht.

    • Children's Health Defense: Find Out if Your State Lawmakers Take Cash From Big Pharma (10.2020)

      Pharma-Konzerne geben erhebliche Summen an Parlamentarier und andere Politiker, etwa, um den Absatz an Impfstoffen zu erhöhen und um den Menschen die Möglichkeit, Impfungen abzulehnen, zu verwehren.

  • Pharma-Konzerne finanzieren Gesundheitsbehörden

    Aufgabe von Gesundheitsbehörden ist es, die öffentliche Gesundheit, d.h. die Gesundheit der Bevölkerung, zu fördern. Dazu müssen sie alle Akteure, die auf die Gesundheit der Bevölkerung einwirken, im Blick haben und bei Bedarf durch Regelsetzung, Gebote und Verbote steuernd eingreifen. Sie treffen Entscheidungen, die enorme wirtschaftliche Auswirkungen auf die Pharma-Konzerne haben.

    Pharma-Konzerne sehen es (wie alle Unternehmen) als ihre wichtigste Aufgabe, Gewinne für die Anteilseigner zu erwirtschaften. Wenn das möglich ist durch Förderung der Gesundheit, dann ist das ok; wird die Gesundheit der Bevölkerung durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Pharma-Konzerne geschädigt, dann nehmen die Anteilseigner das hin; vielleicht ist es ihnen egal, solange der Ruf des Unternehmens nicht leidet.

    Gesundheitsbehörden und Pharma-Konzerne haben also sehr unterschiedliche Interessen. Deshalb ist es bedenklich, wenn Gesundheitsbehörden sich von Pharma-Konzernen finanzieren lassen, denn: wer bezahlt, gibt den Ton an.

    • WHO
      Die WHO wurde 1948 als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet. Ihr Ziel ist das bestmögliche Gesundheitsniveau bei allen Menschen, die Bekämpfung von Erkrankungen und die Förderung der allgemeinen Gesundheit der Menschen weltweit. Da die WHO starke Eingriffsmöglichkeiten in die Gesundheitspolitik ihrer Mitgliedsstaaten hat, sollte sie deren Interessen vertreten und von ihnen finanziert werden. Das ist leider nicht mehr der Fall. Weit über 50% des WHO-Budgets stammt nicht von Staaten, sondern von privaten Geldgebern, die mit den Zahlungen ihre eigenen Interessen verfolgen. Größter einzelner Geldgeber ist die Bill & Melinda Gates Stiftung.
    • USA
      Fact Sheet: FDA at a Glance

      The remaining 45 percent, or $2.7 billion, is paid for by industry user fees.
      Die wichtigste Gesundheitsbehörde der USA, die FDA, wird zu 45% von der Industrie finanziert.

  • Pharma-Konzerne korrumpieren die Politik, auch die Gesundheitspolitik

    Bei der (legalen) Arbeit von Lobbyisten denkt man an Interessenvertreter der Industrie, die die politischen Entscheider in ihrem Sinn beeinflussen wollen. Geldflüsse, z.B. als Parteispenden, werden eigentlich streng reguliert. Aber die Industrie hat viele Wege gefunden, um Gespräche stattfinden zu lassen, die politischen Entscheider mit materiellen Vorteilen zu locken und die politischen Ergebnisse zu beeinflussen.

    • Sunlight Foundation:
      Fixed Fortunes: Biggest corporate political interests spend billions, get trillions (17.11.2014)

      Zwischen 2007 und 2012 gaben 200 der politisch aktivsten Unternehmen Amerikas zusammen 5,8 Milliarden Dollar für Lobbyarbeit und Wahlkampfspenden auf Bundesebene aus. Eine einjährige Analyse der Sunlight Foundation legt jedoch nahe, dass das, was sie gaben, im Vergleich zu dem, was dieselben Unternehmen erhielten, verblasst: 4,4 Billionen Dollar an Aufträgen und Unterstützung. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA im Jahr 2010 entschieden hatte, dass Unternehmensausgaben zur Beeinflussung von Bundeswahlen nicht zu Korruption oder dem Anschein von Korruption führen, eröffneten sich neue Chancen für die Unternehmen. Eine Analyse ergab: für jeden Dollar, der zur politischen Beeinflussung ausgegeben wird, gibt es einen Rückfluss von 760 $. Korruption lohnt sich, nirgendwo sonst erzielt man eine solche Kapitalrendite.

    • Lev Facher, STATNEWS:
      Pharma funded more than 2,400 state lawmaker campaigns in 2020, new STAT analysis finds (9.6.2021)

      Anlässlich der Wahlen zum US-Kongress in 2020 finanzierte die Pharma-Industrie mehr als 2400 Wahl-Kampagnen der Kandidaten. Nach der Wahl wird Dankbarkeit erwartet.

    • s. auch: Wer hat die Macht?
  • Kickbacks

    Ärzte orientieren sich bei der Verordnung von Medikamenten nicht nur an der medizinischen Notwendigkeit, sondern auch an ihrem Profit. Zwei Drittel der US-Amerikaner werden von Ärzten behandelt, die Geld von Pharma-Konzernen 1), sogenannte Kickbacks, erhalten für Therapien, die die Gewinne steigern: Unternehmen und Ärzte gewinnen, Patienten verlieren. Denn die Ärzte verschreiben die entsprechenden Produkte 2) oder verwenden minderwertiges Material 3), weil sie dafür Kickbacks erhalten. Pech, wenn ein Whistleblower seine Firma anzeigt. Der Pharma-Konzern Novartis konnte deshalb mit 678 Millionen US-$ 4) bestraft werden.

  • 1) Genevieve Pham-Kanter, Michelle M. Mello, Lisa Soleymani Lehmann, Eric G. Campbell and Daniel Carpenter:
    Public Awareness of and Contact With Physicians Who Receive Industry Payments: A National Survey (3.2017)
    Kommentar: Two-Thirds of Americans See Docs Who Got Paid by Drug Companies
    Zwei Drittel der Patienten in USA suchten Ärzte auf, die Zahlungen von Pharma-Konzernen erhalten, aber nur eine kleine Minderheit ‒ 5 Prozent der Patienten ‒ wusste davon.

    2) Pro Publica: Now There's Proof: Docs Who Get Company Cash Tend to Prescribe More Brand-Name Meds (3.2016)
    Je mehr Geld ein Arzt von Pharmakonzernen und Medizinprodukte-Herstellern erhält, desto mehr Markenprodukte dieser Firmen verschreibt er. Schon die Einladung ins Restaurant wirkt.

    3) CBS: Men expose billion-dollar back surgery scam involving doctor kickbacks and fake hardware (6.2019)
    Folge von teilweise unnötigen Wirbelsäulen-Operationen an tausenden Patienten: überhöhte Rechnungen, ungeeignete, nicht zugelassene Metall-Schrauben und unerträgliche Schmerzen. Ein Täter wurde zu 10 Millionen US-$ Strafe verurteilt und ein Politiker, der die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen hatte, zu 42 Monaten Gefängnis.

    4) Yahoo News:
    It was his dream job. He never thought he'd be bribing doctors and wearing a wire for the feds (7.2020)
    Oswald Bilotta, Mitarbeiter im Novartis-Vertrieb, sorgte durch seine Zusammenarbeit mit dem Staatsanwalt dafür, dass Novartis im Rahmen eines Vergleichs 678 Millionen US-Dollar zahlen musste, weil der Pharma-Konzern Ärzte dazu verleitet hatte, zehn seiner Medikamente zu verschreiben, darunter das Blutdrucksenker-Medikament Lotrel. Der Deal stelle die grösste Whistleblower-Einigung im Rahmen des bundesstaatlichen Anti-Kickback-Gesetzes dar, sagte Bilottas Anwalt. Die Ärzte wurden z.B. mit üppigen Abendessen in Restaurants, teuren Eintrittskarten für Sportveranstaltungen und Unterhaltung, auch einer Reise zu einem Strip-Club in Manhattan, Geschenkkarten und Catering für Veranstaltungen im Leben von Ärztekindern, wie Abschluss- oder Familienfeiern, bestochen.

  • Geldfluss braucht Datenfluss
    Die Fa. QuintilesIMS bot umfangreiche Datenbanken und -auswertungen über den Pharmamarkt an. Mit solchen Daten können Produkte mit guten Gewinnchancen (aber die Heilungschancen sind unwichtig) noch gezielter entwickelt werden. Marketing und Vertrieb belohnen den Arzt, der seinen Patienten die Medikamente verordnet, die dem Pharmakonzern die höchsten Gewinne bescheren. Der Journalist Hans Weiss hat im Buch Korrupte Medizin die Praktiken beschrieben.

    Die Webseite der Fa. Fa. QuintilesIMS ist seit 2020 nicht mehr erreichbar. Die Fa. HomeCare beleuchtet die näheren Umstände. Fa. IQVIA arbeitet auf diesem Gebiet.